Scharfe Kritik an Mitgliedern der Vertriebenen-Stiftung
Die Grünen-Spitze kritisierte in einer Erklärung die Benennung der BdV-Mitglieder Arnold Tölg und Hartmut Saenger als Stellvertreter für den Stiftungsrat. Beide seien mit Äußerungen aufgefallen, die dem Stiftungszweck der "Versöhnung mit unseren Nachbarn diametral entgegenlaufen" erklärten Renate Künast, Jürgen Trittin, Volker Beck, Katrin Göring-Eckardt und Claudia Roth.

Beck kritisierte in seiner Bundestagsrede besonders einen Artikel Saengers in der Preußischen Allgemeinen Zeitung vom September 2009, in dem er die Kriegsschuld Hitlers relativierte. In dem Artikel hatte Saenger unter anderem behauptet, Polen habe sich in den Jahren vor 1939 "besonders kriegerisch aufgeführt". Weiter schrieb Saenger in dem Artikel: "Im März 1939 machte Polen sogar gegen Deutschland mobil und gab damit Hitler die Möglichkeit der Aufkündigung des deutschpolnischen Nichtangriffspaktes von 1934."

Im besagten Artikel findet man:
Schlägt man beispielsweise das Buch von Gerd Schultze-Rhonhof auf („1939 – Der Krieg, der viele Väter hatte“ Untertitel: „Der lange Anlauf zum Zweiten Weltkrieg“), dann zeigt sich das ganze Ausmaß ständiger Großmachtskämpfe, militärischer Aktionen und neuer Bündnisbemühungen in der Zwischenkriegszeit.

Der lückenhaften und wirren Argumentation von Schultze-Rhonhof zu folgen ist ziemlich peinlich und merklich oberflächlich (Bsp. Siebentagekrieg vs. "Einmarsch in das Teschener Land"), im Kern allerdings nicht vollkommen falsch:
Besonders kriegerisch führte sich Polen auf. Der 1918 wieder erstandene Staat schaffte es in der kurzen Zeit bis 1921 gleich mit vier Nachbarn durch militärische Besetzungen und Kriege in dauerhaftem Streit zu liegen. Im Deutschen Reich wurden Posen und Westpreußen besetzt, in Oberschlesien drei Aufstände angezettelt, um Volksabstimmungen zu beeinflussen. Gegenüber der Sowjetunion wurde die vom Völkerbund vorgeschlagene und ethnisch begründete Curzonlinie abgelehnt und Krieg um weißrussische und ukrainische Gebiete geführt. Mit der Annexion dieser Gebiete schaffte sich der polnische Staat neben der Feindschaft des sowjetischen Russlands auch noch ein großes Minderheitenproblem. Neben diesen Konflikten mit seinen großen Nachbarn im Westen wie im Osten leistete sich Polen noch die Besetzung des Wilnaer Gebietes in Litauen und war mit dem Einmarsch in das Teschener Land auch bei der Zerschlagung der Tschechoslowakei dabei.

Dann kommt es aber ziemlich dicke:
Im März 1939 machte Polen sogar gegen Deutschland mobil und gab damit Hitler die Möglichkeit der Aufkündigung des deutsch-polnischen Nichtangriffspaktes von 1934.

Einen Hinweis auf Becks und Piłsudskis feuchte Träume anno '32/'33 im Zusammenspiel mit Frankreich hätte ich eher erwartet, als eine verständliche Reaktion auf die "Zerschlagung der Resttschechei".

Und nun? Mehr Geschichtswissen ist bei den Grünen auch nicht vorhanden. Wäre es nicht besser, sich an solchen Diskussionen zu reiben und einen gemeinsamen Konsens zu finden, als alles in polnischer Manier unter den Teppich zu kehren oder mit deutscher Alleinschuld auch für Nachkriegsverbrechen zu erklären?

Trackbacks


Trackback-URL für diesen Eintrag
    Keine Trackbacks

Kommentare


    Noch keine Kommentare

Die Kommentarfunktion wurde vom Besitzer dieses Blogs in diesem Eintrag deaktiviert.