Politiker drohen Amazon mit Boykott

Freitag, 5. Juni 2009

Politiker drohen Amazon mit Boykott
Das US-amerikanische Internet-Versandhaus Amazon führt eine Homepage der NPD in einem "Partnerprogramm", das der rechtsextremen Partei einen stetigen Geldzufluss bietet. Politiker von SPD, Grünen und Linkspartei drohen dem Internet-Versandhaus nun mit Boykott.

Ist die Partei verboten? Nein.
Härtere Worte noch sind in allen demokratischen Parteien zu hören – bis hin zur Drohung mit einem Aufruf zum Boykott von Amazon. Es sei „unmöglich“, dass sich der Internetkonzern mit Rechtsextremisten einlasse, sagt der Präsident des Abgeordnetenhauses, Walter Momper (SPD). Und er droht, „wenn Amazon die Partnerschaft mit der NPD nicht kündigt, muss man die Firma boykottieren“.

Wie können die sich demokratisch nennen, wenn es nicht mehr ist, als "Bücherverbrennung" und "Kauft nicht beim Juden!" mit anderen Vorzeichen? Scheinheilig und betroffen².

Ebenso das Handelsblatt: Mit Amazon zum SS-Sturmbataillon
Auch nachdem der "Tagesspiegel" die skandalöse Kooperation veröffentlicht hatte, verteidigte eine Sprecherin des Unternehmens sie gegenüber dem Handelsblatt: Man verkaufe ja keine verbotenen Bücher, und alles andere käme einer "dem Recht auf freie Meinungsäußerung widersprechenden Zensur" gleich.

Nicht verboten? Wo ist das Problem?
Amazons Rechtfertigungsversuch ist eine Steilvorlage für die NPD, die deshalb von ihrer Homepage aus fleißig auf Amazon verlinkt und damit gutes Geld verdient. Amazon trägt zur Finanzierung der Neonazis bei, und zwar bewusst und wohlüberlegt: Auch das ist schließlich ein Markt, der bedient werden will. Denn so gut wie alle anderen deutschen Buchhändler bieten ja aus ethischen Gründen keine Nazi-verharmlosenden oder verherrlichenden Titel an.

Ich bezweifle stark, daß auch nur ein Händler sich weigert ein nicht verbotenes Buch zu bestellen und zu verkaufen. Wie heißt es so schön im Artikel 5 GG: "Eine Zensur findet nicht statt". Dazu gehört auch das Recht legale Schundliteratur von einer nicht verbotenen Partei zu lesen.
Wie sagte Max Liebermann: "Ich kann gar nicht soviel essen, wie ich kotzen möchte."

Geht mir genauso - komisch.

Aktualisierung: War klar, daß die auch wieder angekrochen kommen:
Der Zentralrat der Juden hat das Internet-Versandhaus Amazon aufgefordert, seine Kooperation mit der rechtsextremen NPD unverzüglich zu beenden. „Dass es eine derartige Geschäftsbeziehung gibt, ist eine richtige Schande, bei Amazon sollte man sich dafür in Grund und Boden schämen“, sagte der Vizepräsident des Zentralrats, Dieter Graumann, am Freitag im Gespräch mit Handelsblatt.com.

Ganz schön große Klappe für einen Repräsentanten von nur 0,1% der Bevölkerung.
In diesem Zusammenhang forderte Graumann den Online-Händler auf, „auch gleich das gesamte rechtsradikale, antisemitische und faschistische Sortiment, das man außerdem noch im Angebot hat, gründlich“ zu entsorgen.

W-i-d-e-r-l-i-c-h. Eigentlich sollten gerade die es besser wissen.

Aktualisierung 06.06.2009: So wie es aussieht hat Amazon nachgegeben. Traurig.
Aktualisierung 08.06.2009: (Amazon beendet Kooperation mit NPD)
Aktualisierung 11.06.2009: die linksextremistische MLPD darf bei Amazon Geld verdienen:

MLPD bei Amazon

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